Der Film „Sex – we can?!“

Der Film „Sex – we can?!“

Das Österreichische Institut für Sexualpädagogik hat im Auftrag des Wiener Programms für Frauengesundheit, des ICE Vienna und des Bundesministeriums für Unterricht und Kunst den Film "Sex, we can?!" sexualpädagogisch begleitet sowie ein umfangreiches Manual erarbeitet, das allen, die mit Jugendlichen zu dem Thema arbeiten, praxisnahe Unterstützung für die Umsetzung bietet. 

Jugendliche werden zum Thema Sexualität mit Informationen überschwemmt. Dem Bedürfnis nach „echter Information aus erster Hand“ entsprechen in fataler Weise sexuelle mediale Aufarbeitungen in Sex- und Pornofilmen, im Internet und in Handyclips. Fachbücher oder Vorträge zum Thema, die die bestehende Informationskette aus Medien und Freundeskreis nicht berücksichtigen, können nur wenig Anklang finden, wenn sie keinen Bezug auf die bereits bestehende Fehlinformation u n d dem Bedürfnis nach Aktualität nimmt. Sexualität ist ein emotionales Thema. Sexualität beinhaltet Sehnsucht, Wunsch, Phantasie, Lust, Respekt. Jugendliche befinden sich in einem sexuellen Entwicklungsstadium, in dem sie mit all diesen sexuellen Gefühlen in einer neuen Form konfrontiert werden.

Das Ignorieren der emotionalen Komponente von Wunsch, Phantasie und dem Bedürfnis, sexuell erwachsen zu sein, verhindert einen offenen Dialog zwischen Erwachsenen und Jugendlichen zum Thema Sexualität.

Der vorliegende Film kommt als gemeinsames Projekt von Filmpädagogik und Sexualpädagogik dem Bedürfnis nach Information und sexueller Aufklärung auf dem Hintergrundwissen der aktuellen Lebenssituation Jugendlicher nach. Die Wahl des Mediums Film ermöglicht, auf genau jenem Informationskanal, der für dieses Thema häufig genutzt wird, einen Gegenentwurf zu bieten. Das Thema Sexualität wird in einer ehrlichen und für Jugendliche praxisorientierten Weise aufbereitet und vermag damit Verunsicherungen, die durch das Konsumieren herkömmlicher medialer Inhalte entstehen, zu begegnen. Die Wahl des Mediums Film war in diesem Zusammenhang sexualpädagogisch entscheidend. Die Inhalte werden sowohl aus der weiblichen als auch aus der männlichen Perspektive dargestellt, um eine geschlechtsunabhängige Identifikation zu ermöglichen.

Zielgruppe: Kernzielgruppe sind 14- bis 16-jährige Jugendliche. Erweiterte Zielgruppe sind 12- bis 18-jährige Jugendliche.

Dauer: ca. 25 Minuten.

Einsatzmöglichkeiten:

  • In der schulischen Sexualaufklärung z.B. in Biologie, in Psychologie, für den Schularzt/die Schulärztin
  • In der außerschulischen Sexualaufklärung;
  • Sowohl koedukativ als auch in geschlechtshomogenen Gruppen (Mädchen- oder Bubenarbeit)
  • als Einstiegs- oder Diskussionsanregung;
  • Zur viralen Verbreitung über neue Medien und Plattformen, um die Jugendlichen in „ihrer“ Welt zu erreichen.

Storytelling und Struktur

Um eine notwendige erzählerische Distanz zum eigentlichen Thema aufzubauen, wird insgesamt für den Film das Konzept einer Fake-Doku-Soap verwendet, die alle Stilmittel und Elemente des bei Jugendlichen stark gelernten Genres „Doku-Soap“ beinhaltet. Wir begleiten die zwei Hauptprotagonisten bei ihren Liebes- und Sexualerfahrungen, können über ihre Kommentare an ihren Gefühlen, Gedanken und Fragen teilhaben und erhalten über Info-Sequenzen die jeweils relevanten Antworten auf die typischen Fragen der Jugendlichen.

Der Film arbeitet zusätzlich mit Übersteigerungen, Anspielungen, Brüchen und Überraschungen, um das Thema „Sex“ über den Schlüssel Humor unpeinlich verdaubar zu machen.

Der Film ist in drei Episoden zu jeweils ca. sieben Minuten gegliedert – dies eröffnet die

Möglichkeit zum flexiblen Einsatz im Unterricht. Die Episoden können nacheinander gespielt werden, es kann aber auch nach jeder Episode eine Interaktionsphase eingeleitet werden, in der das eben Gesehene mit den Jugendlichen diskutiert und vertieft werden kann.

Die Episoden eins und zwei enden jeweils mit einem „Cliffhanger“, der eine Spannung zur nächsten Episode herstellt und so eine Begehrlichkeit bei den SchülerInnen erzeugt, auch die nächste Folge dieser Mini-Serie zu sehen. Die Episoden zwei und drei starten jeweils mit einem kurzen Rückblick auf die vorhergehende Episode („Was bisher geschah ...“), um einen Wiedereinstieg in die Geschichte nach einer etwaigen Diskussion mit den Schülern zu erleichtern.

Die Umsetzung als Animationsfilm bietet mehrere Vorteile:

  • keine naturalistischen Bilder – dadurch werden eindeutige Darstellungen möglich, ohne obszön oder pornographisch zu wirken
  • als Animationsfilm fallen bestimmte modische Attribute weg, so dass der Film an Zeitlosigkeit gewinnt
  • die spielerischen Darstellungen ermöglichen eine Lockerheit und einen selbstverständlichen Ton, ohne die Thematik insgesamt lächerlich erscheinen zu lassen
  • die einfachen Zeichnungen bieten eine gute Grundlage, auch komplizierte Sachverhalte verständlich darzustellen

Der Film wurde so konzipiert, dass Tempo und Dichte der Handlung bzw. der Dialoge den Sehgewohnheiten Jugendlicher entsprechen, zusätzlich wurden einige Pointen und Botschaften bewusst subtil verpackt. Das soll einerseits den Dialog zwischen den Jugendlichen fördern („Verstehst du, warum da alle gelacht haben?“) bzw. das eigenständige Wiederansehen des Films anregen.

Fachliche Basis des Drehbuches

Die filmische Umsetzung verfolgt das Ziel, sexuelle Aufklärungsthemen mit Rücksichtnahme auf die Gedankenwelt und die daraus provozierten Emotionen heutiger Jugendlicher zu thematisieren. Als Grundlage für die inhaltliche Gestaltung dient ein differenziertes Wissen aus Forschung, Jugendsexualberatung und Sexualpädagogik. Die aus der sexualpädagogischen und jugendsexualberaterischen Praxis generierten Themen nehmen konkreten Bezug auf die Fragen Jugendlicher und dienten als Grundlage bei der Erarbeitung des Drehbuches.

Ausgehend von der A r t u n d W e i s e der Fragestellungen wurde es möglich, im filmischen Konzept die Stimmung und das emotionale Bedürfnis dieser Fragen auszudrücken.

Die Gestaltung des Drehbuches umfasst daher:

  • Fachthemen der Sexualaufklärung (Informationsebene)
  • Bedürfniswelt Jugendlicher (emotionale und soziale Ebene der Zielgruppe)
  • Pädagogisch-didaktische Ansprüche (pädagogische Zielformulierung)
Durch die Verbindung dieser drei Ebenen wird es möglich, den Film so zu gestalten, dass er

  • Jugendliche fesselt, aufmerksam und interessiert zusehen lässt,
  • bestärkend und lustig ist,
  • fundierte Fachinformationen aus Medizin und Biologie beinhaltet,
  • zur Auseinandersetzung und kritischem Denken anregt.

Sexualpädagogik im Film

Informationsebene

  • Medizinische und biologische Informationen in altersadäquater Form
  • Schutz vor Krankheit und Gewalt
  • Verhütung, Schwangerschaft, Schwangerschaftsabbruch
  • Informationen zur sexuellen Entwicklung von Frauen und Männern

Pädagogisch-didaktische Ebene

  • Gendersensitive Vorgangsweise
  • Präzise didaktische und pädagogische Richtlinien auf Grund der Erfahrungen aus Sexualpädagogik und Sexualberatung
  • Eingehen auf die spezielle Situation Jugendlicher heute
  • Förderung der Körperwahrnehmung
  • Förderung der Gefühlswahrnehmung
  • Kritischer Umgang mit sexuellen Klischees

Emotionales, soziales Lernen

  • Anstoß zur Auseinandersetzung und Reflexion
  • Kritischer Umgang mit Informationen zum Thema Sexualität in den Medien
  • Auseinandersetzung mit sexuellen Lebensweisen und Beziehung
  • Erweiterung der Handlungskompetenz im Umgang mit schwierigen Situationen
  • Verantwortung für sich selbst und andere als Thema der Sexualität
  • Sensibilisierung für Grenzen und Respekt zum Thema Sexualität
  • Ermöglichung eines Dialogs zwischen Frauen und Männern sowie zwischen Jugendlichen und Erwachsenen
  • Erweiterung des Handlungsspielraumes der Jugendlichen

Der Film ist als didaktische Unterstützung für professionelle sexualpädagogische Arbeit gedacht. Ziel ist es, all jenen, die mit Jugendlichen zum Thema Liebe und Sexualität arbeiten, ein konkretes und umsetzungsorientiertes Instrumentarium in die Hand zu geben, das es ihnen ermöglicht, Jugendliche zu diesem Thema verständlich und handlungsnah informieren zu können.

Der Film kann und soll Sexualpädagogik nicht ersetzen. Er versteht sich vielmehr als Medium, das Themen der Sexualpädagogik in jugendgerechter Form aufgreift und damit Gelegenheit bietet, für Jugendliche relevante Inhalte zu thematisieren und sexualpädagogisch aufzuarbeiten.

BEZUGSHINWEIS:

Österreich: bestellung@mediengesellschaft.at

(1x DVD inkl. CD Rom mit Manual: EUR 28,80 inkl. 20% USt., zzgl. EUR 5,5)

Versand Deutschland: http://www.filmsortiment.de